Forschungsprojekt

Wasteland? Ländlicher Raum als Affektraum und kulturelle Bildung als Pädagogik der Verortung

Was untersuchen wir?
Das BMBF-Forschungsvorhaben „Wasteland? Ländlicher Raum als Affektraum und Kulturelle Bildung als Pädagogik der Verortung“ (2020-2023) an der Kunstakademie Düsseldorf untersucht empirisch drei unterschiedliche Institutionen kultureller Bildung (Theater, Kunststiftung, Museum) verteilt auf drei Regionen (in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Brandenburg) und stellt dem ergänzend die Beforschung von dörflichen (Selbst-)Organisationsformen ländlicher Alltagspraxen gegenüber. Ziel des Projekts ist es, den ländlichen Raum als einen „Raum affektiver Verortung“ zu untersuchen und damit einhergehend die Frage nach den komplexen Zusammenhängen von Zugehörigkeitsgefühlen und Verlusterfahrungen angesichts der Veränderung vertrauter Umwelten und Prozessen der Ent- und Beheimatung zu stellen und eine daraus resultierende veränderte Anforderung an kulturelle Bildung zu thematisieren.

Wie untersuchen wir?
Diese Zusammenhänge sollen mittels eines qualitativen Forschungsdesigns mit ethnografischen, medien- und kulturwissenschaftlichen Ansätzen sowie künstlerischer Forschung unter Einbeziehung der Theorien des New Materialism/Material Feminism sichtbar und artikulierbar gemacht werden. Das Projekt entwickelt ethnografische und künstlerische Forschungs- und Analysemethoden, die explizit künstlerische und partizipative Methoden wie performative Workshops, Videoeigenproduktionen und Praktiken des kollektiven und partizipativen Mappings miteinbeziehen, um auch durch nichtsprachliche, nichtdiskursive Artikulationsmöglichkeiten einen Zugang zu den jeweiligen „Affekträumen“ der Institutionen und Dörfern zu schaffen. Hierdurch kann der Fokus auf die Inszenierungen der dörflichen und institutionellen Akteur_innen gerichtet werden, auf das, was ‚nicht gesagt wird‘: Aspekte der Verkörperung, den prozesshaften Charakter von Wirklichkeit, die wirklichkeitskonstituierende Kraft von Handlungen und kulturellen Phänomenen und die Wirk- und Handlungsmacht von Dingen, Sounds, Licht, Räumen, Landschaft, Atmosphäre und ihrem Zusammenspiel.

Konkret soll im Sinne einer „sensory ethnography“ eine „ethnographische Collage“ als Forschungs- und Analysemethode erarbeitet werden, die sich als „(performative) dichte Beschreibung“ verstehen lässt. Dabei geht es darum, durch das verdichtende und collagierende Auswerten von visuellen (Bilder, Fotos, Zeichnungen, Collagen), schriftlichen (Feldnotizen, Analytische Texte und verdichtete Beschreibungen), sowie auditiven (Soundaufnahmen, ethnographischen Interviewaufzeichnungen) Feldforschungsmaterialien über die Dominanz des Textuellen von herkömmlichen ethnografischen Aufzeichnungsmethoden hinauszugehen. Entsprechend einem „responsiven Forschungsdesign“ wird der Forschungsprozess dabei als partizipatives Geschehen verstanden, in das auch die beforschten Akteur_innen des Feldes selbst sowie externe Wissenschaftler_innen miteinbezogen werden.

Wer sind wir?

Mehr zur Arbeit des Projekts unter Aktuelles.